Jesuitenkolleg/-kirche Büren

Die Kirche Maria Immaculata (dt.: unbefleckte Maria) in der westfälischen Mittelstadt Büren, im Volksmund Jesuitenkirche genannt, wurde im spätbarocken Stil zwischen 1754 und 1773 nach Plänen von Franz Heinrich Roth, dem Baumeister des paderbornischen Fürstbischofs und Kurfürsten von Köln Clemens August, im Auftrag des Jesuitenordens erbaut. Sie gilt als eine der wenigen Kirchen im süddeutschen, italienisch beeinflussten Stil nördlich des Mains.

Die Kirche liegt am Fuß des Bergrückens zwischen Afte und Alme, auf dem sich der historische Kern der Stadt Büren befindet. Zusammen mit dem ehemaligen Jesuitenkolleg, jetzt Mauritius-Gymnasium, und der Ökonomie, dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Kollegs, bildet sie ein Ensemble, das die Ansicht des Ortes seit über 250 Jahren prägt.

Ungefähr an der Stelle dieses Ensembles stand zuvor einige Jahrhunderte lang die Burg der Edelherren von Büren, deren letzter Nachfahre, Moritz von Büren, sein Vermögen in einem Testament von 1640 dem Jesuitenorden vermachte und später in den Orden eintrat.
Quelle: Wikipedia

Fotos von 2012

Links

Daten

Adresse: Burgstraße 2, 33142 Büren
Besichtigung:
Außenbesichtigung

Geschichte

Vorgeschichte
Moritz von Büren hatte schon 1640 in seinem Testament verfügt, dass aus seinem Nachlass in Büren ein Kolleg (Studienhaus) und eine Kirche errichtet werden sollten. Nach seinem Tod am 7. November 1661 dauerte es über 50 Jahre, bis am 13. Juni 1717 der Grundstein für das Kolleggebäude gelegt werden konnte, das dann bis 1728 fertiggestellt wurde. Ursprünglich war geplant, die Kirche im Südflügel des Gebäudes unterzubringen. Dieses Vorhaben wurde aber aufgegeben und der Südflügel als normaler Gebäudeteil ausgeführt, so dass für die Kirche ein eigener, neuer Standort gesucht werden musste. Als die Bauarbeiten nach der Fertigstellung des Kollegs für über 20 Jahre geruht hatten, wurde 1751 beschlossen, die Kirche zu bauen. Man entschied sich für einen Standort südlich des Kolleggebäudes, das durch einen Quertrakt mit der Kirche verbunden werden sollte. Die Bauleitung wurde am 3. Juli 1754 dem Kammer-Rat und Ingenieur Franz Christoph Nagel aus Paderborn und dessen Vertreter, dem Jesuiten Christoph Seeberger übertragen.

Bau der Kirche
Schon einen Tag nach dem Abschluss des Vertrages mit Nagel begannen die Ausschachtungsarbeiten für das Fundament, nachdem vorher schon Baumaterial aus der Umgebung, hauptsächlich Sandstein aus der Gegend von Hegensdorf, nach anderen Angaben aus Weine und Kalkstein aus der direkten Umgebung von Büren, herangeschafft worden war. Bis zum Winter des Jahres 1754 standen die Fundamente der Kirche und bis zum Frühjahr 1756 war der Bau bis hinauf zum Kreuzgesims fertiggestellt, so dass in den Fassadennischen des zweiten Geschosses bereits die Statuen des heiligen Ignatius von Loyola und des heiligen Franz Xaver aufgestellt werden konnten. Die Steinmetzarbeiten wurden von Steinmetz Valentin Springer aus Neuhaus und Johann Urbanus aus Königswinter ausgeführt.

Am 2. Mai desselben Jahres legte Kurfürst Clemens August, der sowohl Bischof von Köln als auch von Paderborn war, den Grundstein. Clemens August hatte bereits die vorbereitenden Bauarbeiten mit großem Interesse verfolgt – man hatte aber mit der Grundsteinlegung gewartet, bis er sich auf seinem Schloss Hirschberg bei Warstein befand, um ihm die weite Anreise eigens nach Büren zu ersparen.

Trotz der Störungen durch französische Soldaten, welche durch die Stadt zogen, konnte der Bau der Kirche in den folgenden Jahren zügig weitergeführt werden. Im Jahr 1757 war die Fassade fast vollendet, so dass auf den oberen Ecken die Statuen des heiligen Aloisius und des heiligen Stanislaus Kostka aufgestellt wurden, die, wie die anderen Statuen auch, in Büren gefertigt wurden, deren Stein aber aus den Rüthener Steinbrüchen stammte, wo er schon grob in Form gebracht worden war. Die Bildhauerarbeiten der Fassade wurden von Meister Johann Theodor Axer und Meister Johann Jakob Pütt[4] ausgeführt. Ebenfalls im Jahr 1757 wurde ein Teil des Daches errichtet, der im folgenden Jahr 1758 abgeschlossen wurde. Auch die Fassade wurde im Jahr 1758 fertig, der Turm der Kirche wuchs bis zum Turmhelm. Das Dach der Kirche wurde mit Schiefer eingedeckt. Gleichzeitig wurden in der Beichtkapelle (heute Sakristei) und im Turm die Gewölbe eingezogen.

1759 wurde die Kuppel über der Kreuzvierung vollendet und die Gewölbe im Hauptschiff und in den Seitenschiffen vollendet. Außen wurde der Kalkstein zwischen den Sandsteinpfeilern verputzt. Im Jahr 1760 wurden die Arbeiten am Dach der Kirche beendet und die unter dem Chor liegende Krypta mit Gewölben versehen. Gleichzeitig begannen die Jesuiten Verhandlungen mit dem Maler Joseph Gregor Wink, der für den Orden bereits an der Ausgestaltung der Mannheimer Jesuitenkirche mitgewirkt hatte. Dieser begann nach dem Vertragsabschluss 1761 im Jahr 1762 mit den Malerarbeiten. Er wandte dabei die „Fresco-secco-Technik“ an. Die Malerarbeiten dauerten bis ins Jahr 1765. Um Pfingsten 1764 begannen die Gebrüder Johann Nepomuk und Bernhard Mez mit den Stuckarbeiten, die 1770 fertiggestellt wurden. Ein Jahr zuvor war der Bau der Gruft beendet, die Fenster verglast, die Türen eingesetzt und die Empore für die Orgel errichtet worden. Im Jahr 1771 wurde als letztes zentrales Element der prachtvolle Hochaltar vollendet.

Nach einer Bauzeit von über 16 Jahren war die Kirche fertiggestellt. Es fehlte noch der seitliche Verbindungstrakt zum Kolleg, der auch die Sakristei beherbergen sollte. Dieser Trakt wurde aber nicht mehr errichtet, denn der Jesuitenorden war im Jahre 1773 von Papst Clemens XIV. aufgelöst worden.

Nach der Auflösung des Jesuitenordens
Nachdem die Extinktionsbulle des Papstes auch für die Kollegien in Paderborn und Büren wirksam wurde, beauftragte der Paderborner Fürstbischof Wilhelm Anton seinen Generalvikar Dierna und den Hofrichter Meyer mit der Bildung der sogenannten Exjesuitenkommission, die Besitz und Verwaltung der Güter des aufgelösten Ordens im Paderborner Land übernahm, darunter auch Kirche und Kolleg.

Am 3. August 1802 übernahm das Land Preußen die Herrschaft über das Fürstbistum Paderborn. Entgegen der ansonsten üblichen Politik Preußens wurde der ehemalige Besitz des Jesuitenordens jedoch nicht säkularisiert, sondern blieb weiter unter der Verwaltung der Exjesuitenkommission.

Als Preußen im Frieden von Tilsit seine linkselbischen Gebiete an Napoleon verlor, fiel das Fürstbistum Paderborn und damit auch die Verwaltung der ehemaligen Jesuitenbesitztümer an das Königreich Westfalen unter Jérôme Bonaparte, dem Bruder Napoleon Bonapartes. 1811 wurde das Haus Büren den Krondomänen unterstellt, die Erträge aus dem Fonds wurden aber weiterhin für die im Testament vorgesehenen Zwecke verwendet, nur etwaige Überschüsse wurden für die Domänen verrechnet. Dies beendete die Tätigkeit der Exjesuitenkommission.

Als Westfalen wieder an Preußen fiel, blieb das Haus Büren zunächst Staatsgut, wurde dann aber auf Bestreben Franz Egon von Fürstenbergs und des Oberpräsidenten von Vincke als Haus Büren'scher Fonds zurückgegeben.

Dieses übernimmt seitdem die Verwaltung und Finanzierung der ehemaligen Besitztümer des Jesuitenordens im Raum Büren.

Restaurierungen
Erste Restaurierungen wurden schon Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt, dabei wurden einige Deckenfresken übermalt. Das Ausbleiben weiterer Maßnahmen in den folgenden Jahren sowie kriegsbedingte Schäden erforderten in den 1970er Jahren umfangreichere Bau- und Sicherungsmaßnahmen an Fassaden und Dächern, sowie von 1980 bis 1983 eine Restaurierung und Sicherung der Orgelempore. In den folgenden Jahren wurde ein Konzept für eine Restaurierung des gesamten Kirchenbaus ausgearbeitet, die dann von 1988 an drei Jahre lang ausgeführt wurde. Am 8. September 1991, zum Fest Mariä Geburt, wurde die Kirche dann mit einem feierlichen Pontifikalamt wieder eingeweiht. Die gesamte Restaurierung kostete rund sieben Millionen D-Mark.

Feuchtigkeitsschäden im Sommer 2012
Nach einer Begehung am 11. Juli 2012 wurden Baumängel und Feuchtigkeitsschäden an den Stuckdecken festgestellt. Aufgrund der Gefahr, dass Teile der Deckenfresken und Stuckwerke herabstürzen, wurde der Innenraum für den Besucherverkehr gesperrt. Ein Gutachter soll nun die Schadenshöhe feststellen und entsprechende Sicherungsmaßnahmen einleiten.
Quelle: Wikipedia