Palais Detmold

Das Neue Palais gilt als das bedeutendste profane Bauwerk neben dem Fürstlichen Residenzschloss in Detmold. Es dient heute als Hauptgebäude der Hochschule für Musik Detmold, war jedoch ursprünglich eine Art Dependance des Schlosses und gehörte unter dem Namen Favorite zum Gesamtprojekt Friedrichstal.

Fotos von 2012

Links

Daten

Adresse: Neustadt 22, 32756 Detmold
Nutzung: Hochschule für Musik

Geschichte

Die Favorite
Das Gebäude war ein Geschenk des Grafen Friedrich Adolph (1667–1718) an seine Gemahlin, Gräfin Amalie zu Solms-Hohensolms, und wurde 1718 fertiggestellt. Schon seine Mutter, Gräfin Amalie von Dohna, versuchte aus der Enge des Schlosses zu fliehen und ließ die alte Meierei Pöppinghaus am Büchenberg prächtig ausbauen, darunter das noch heute bestehende Krumme Haus.

Der Graf kümmerte sich persönlich um die Planung und Finanzierung, die durch einen Sonderfonds erfolgte und nicht mit dem Hauptprojekt Friedrichstal verbunden war. Das Grundstück bestand aus einem leicht ansteigenden Gelände, das in den waldigen Büchenberg überging. Es verlief südlich der Detmolder Neustadt, wurde im Westen vom Friedrichstaler Kanal, im Osten vom Alten Postweg und im Süden vom Büchenberg begrenzt. Schon 1706 lag ein Plan für den zu errichtenden Gebäudekomplex, der mit Favorite bezeichnet wurde, vor. Der zurückgesetzte zweistöckige Hauptbau besaß zwei seitliche Nebengebäude und bildete so eine Dreiflügelanlage, deren Hof auf der Westseite gegenüber dem Kanal lag. Gleichzeitig mit dem Hausbau begann man mit der Anlage eines Gartens an der Ostseite. Am Haus Favorite entstand ein von einer Mauer umgebender axial ausgerichteter französischer Barockgarten. Er bestand aus vier Teilen von verschiedener Höhenlage, die durch Treppen miteinander verbunden waren und unter anderem zur Anpflanzung von Obst und Gemüse dienten.

Einen qualifizierten Architekten und Baumeister hatte Friedrich Adolf offenbar nicht engagiert. Allerdings ließ er sich von dem Hamburger Künstler Hans Hinrich Rundt beraten, der Mitglieder des Herrscherhauses porträtieren sollte. Ab 1703 war Rundt in das Projekt Friedrichstaler Kanal eingebunden und lieferte um 1705 den Entwurf des Hauses Favorite. Ob in seinem Vertrag auch Baumeisterleistungen enthalten waren, ist nicht bekannt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat der Graf persönlich eingegriffen, Zeichnungen angefertigt und den Handwerkern Anweisungen erteilt.

Die Erdbewegungen am Gebäude, den Terrassen und im Garten wurden von Bauern der Grafschaft geleistet, die zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet waren. Das Baumaterial, wie Werksteine, Ziegel und Holz kam nach Möglichkeit aus der direkten Umgebung Detmolds. Ab 1712 arbeiteten zwei italienische Stukkateure in den großen Sälen und einigen Zimmern. Lackiermeister Louis Pinget, ein Hugenotte, war 1714 und 1715 im Gebäude tätig und verwendete italienische Farben. Die Nussbaummöbel wurden überwiegend von Lippischen Handwerkern gefertigt. Kostbare Stücke, wie Leuchten, Waffen und Wandteppiche kamen zumeist aus Süddeutschland und dem Ausland.

Die Friedamadolfsburg
Nach Fertigstellung der Favorite erfolgte eine Umbenennung des Gebäudes. Aus der Verbindung der Namen Friedrich-Amalie-Adolf entstand Friedamadolfsburg. Mit dem Begriff Burg sollte offenbar auf eine geschützte Wohnstätte hingewiesen werden. Nach dem Tod Friedrich Adolfs im Jahr 1718 hätte Amalie traditionell auf ihren Witwensitz nach Schloss Brake ziehen müssen. Sie blieb jedoch mit ihren drei jüngsten Kindern in der Friedamadolfsburg. Sie war zuvor aus dem Schloss ausgezogen und hatte die Innenausstattung der Burg nach ihrem Geschmack verändert. Sie empfing zahlreiche Besucher und führte ein aktives Leben. Noch zu ihren Lebzeiten 1729 brannte bei einem Fest ein großer Teil der Anlagen Friedrichtals ab. Die Gräfin starb 1746. Nach ihrem Tod zogen ihre jüngste Tochter, Gräfin Friederika Adolfina, und ihr Ehemann, Graf Friedrich Alexander (1700–1769), mit ihren beiden Söhnen in die Burg ein. Im Volksmund hieß diese nun Alexandrinische Burg. Der Graf ließ einen eingezäunten Tiergarten, die Menagerie, im Süden des Barockgartens errichten, dessen Tiergartenwächter im Krummen Haus wohnten. Das Grafenpaar verstarb in den 1760er Jahren und nach dem frühen Tod der beiden Söhne war der Alexandrinische Zweig des Hauses Lippe ausgestorben.

Die von der Hohen Vormundschaftlichen Commission verwaltete Burg und der Barockgarten befanden sich in einem schlechten Zustand. Im Haus wohnten zwischen 1777 und 1790 allein Hofbedienstete. Nachdem die Burg 1788 schließlich versteigert wurde, kam sie in den Besitz der Rentkammer und damit der Regenten des Hauses Lippe. Einige Jahre später erfolgte unter der Aufsicht von Landesbaumeister Teudt eine gründliche Renovierung des Gebäudes, das jetzt als Witwensitz für Christine Josefine, Gräfin von Solms-Braunfels, dienen sollte. Sie war die vierte Ehefrau des Grafen Simon August zur Lippe. Sie lebte dort 33 Jahre lang, etwa zur gleichen Zeit, als im Residenzschloss Fürstin Pauline regierte. Nach dem Tod der Fürstenwitwe Christine im Jahr 1823 stand die Burg erneut längere Zeit leer. Zeitweise wurde sie von Gästen bewohnt, so zum Beispiel 1824 vom Maler Wilhelm Tegeler, 1829 vom Justizkanzleirat Moritz Leopold Petri und ab 1841 vom Maler und Bildhauer Ernst von Bandel, dem Erbauer des Hermannsdenkmals.

Das Neue Palais
Inzwischen war die Burg baufällig geworden und musste dringend renoviert werden. Fürst Leopold II. plante, das Gebäude für seinen Sohn, den späteren Fürsten Leopold III., gründlich umzugestalten. In den 1840er Jahren wurde der Baumeister Ferdinand Wilhelm Brune mit den Baumaßnahmen betraut. Der Umbau sollte später sein bedeutendstes Werk werden. Es standen mehrere Entwürfe zur Diskussion, so der Plan von Brune selbst und je eine Zeichnung von Bandel und vom Berliner Baurat Heinrich Strack. Der Fürst entschied sich für eine Kompromisslösung zwischen den Entwürfen von Brune und Strack. Der Umbau, bei dem das Gebäude als entscheidendes Merkmal ein drittes Stockwerk und ein Flachdach erhielt, dauerte von 1847 bis 1852. Das Richtfest war am 1. September 1848.

Am 23. April 1852 bezogen Fürst Leopold III. und seine Ehefrau Elisabeth, Prinzessin von Schwarzburg-Rudolstadt, ihr neues Heim, das jetzt den Namen Neues Palais trug. Die Eheleute bezogen entsprechend der damaligen Konvention getrennte Wohnungen. Im Parterre wohnte der Fürst, im ersten Stockwerk seine Ehefrau und in die zweite Etage zogen ausgewählte Hofbedienstete und mögliche Gäste ein. Der erste und zweite Stock hatten nahezu den gleichen Grundriss.

1875 starb der kinderlos gebliebenen Fürst Leopold III. und seine Gemahlin Elisabeth erhielt das Neue Palais als Witwensitz. Der jüngere Bruder des Verstorbenen, Fürst Woldemar, trat seine Nachfolge an und zog ins Fürstliche Residenzschloss. Die Privaträume Leopold III. im Neuen Palais blieben nach seinem Tod unbewohnt. Erst im Jahr 1902 zog der spätere Fürst Leopold IV. mit seiner Ehefrau, Prinzessin Berta von Hessen-Philippsthal-Barchfeld, ins Neue Palais. Die Familie verlebte jedoch nur die Sommermonate im Palais, das sich in der kalten Jahreszeit nur ungenügend heizen ließ. 1906 zog die Fürstenfamilie ins Residenzschloss um, danach bewohnten Mieter das Neue Palais. Darunter der Fürstliche Oberhofmarschall von Loos und der Bauverwalter Plöger. Im Ersten Weltkrieg diente das Palais als Reservelazarett.

1918 musste Fürst Leopold IV. abdanken und das Neue Palais ging infolge des Domanialvertrags in den Besitz des Landes Lippe über. 1920 wurde ein Teil der Bestände des Lippischen Landesmuseums ins Neue Palais verlagert. Nach 1933 wurden einige Räume von den Nationalsozialisten belegt, die dort eine Lehr- und Forschungsanstalt für Germanenkunde einrichteten.

Die Hochschule für Musik
Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte die in Detmold gegründete Nordwestdeutsche Musikakademie nach geeigneten Unterrichtsräumen. Schon seit 1946/47 fand in einigen Räumen Musikunterricht statt. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen der Museumsleitung und den Gründern der Akademie konnte die Nordwestdeutsche Musikakademie das Neue Palais ab dem 24. Januar 1954 komplett für ihre Zwecke nutzen.

Zuvor waren einige Umbauten notwendig, um das historische Gebäude als Musikhochschule nutzen zu können. Durch Herausnahme von Zwischenwänden wurden einige Räume vergrößert. Am Eingang entstand ein großzügiges Foyer und im Keller wurde Platz für eine Mensa geschaffen. 2004 bis 2006 erfolgte eine Renovierung sämtlicher Unterrichtsräume und das Gebäude bekam eine Aufzugsanlage und einen Wintergarten. Im Zuge der Umbauarbeiten wurden zahlreiche historische Deckenmalereien und Fußböden freigelegt, die restauriert werden konnten.

Der Name der Hochschule änderte sich im Laufe ihres Bestehens mehrfach. Bei der Gründung lautete der Titel Nordwestdeutsche Musikakademie Detmold. 1956 wurde der Name mit dem Zusatz Staatliche Hochschule für Musik ergänzt. 1972 lautete die offizielle Bezeichnung Staatliche Hochschule für Musik Westfalen-Lippe. Nordwestdeutsche Musikakademie Detmold. Ab 1987 gilt der noch heute gültige Name Hochschule für Musik Detmold.
Quelle: Wikipedia