Schloss Hämelschenburg

Das Schloss Hämelschenburg in Emmerthal zwischen Hameln und Bad Pyrmont gilt als das Hauptwerk der Weserrenaissance und bildet mit seinen Kunstsammlungen, Gartenanlagen, Wassermühle, Wirtschaftsgebäuden und der Kirche eine der schönsten Renaissanceanlagen Deutschlands.

Fotos aus 2012

Links

Daten

Adresse: Stiftung Rittergut Hämelschenburg, Schlossstr. 1, 31860 Emmerthal
Besichtigung: Historische Schlossführungen
Nutzung:
  Schlossmuseum, Café, Biergarten, Museumsshop, Trauungen, Feiern, Sonderveranstaltungen

Geschichte

Ursprung
Zwischen 1409 und 1414 erbauten die Grafen von Everstein auf dem Berg Woldau über dem Tal der Emmer die Burg Hemersen, die ab 1437 in den Besitz der Ritterfamilie Klencke überging, die aus Thedinghausen stammt und dort bis in das Jahr 1260 zurückverfolgt werden kann. 1487 geriet die Burg in die Große Stadtfehde und damit in die Gegenpartei der Welfen. Sie wurde unter Herzog Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg zerstört. Danach ließ die Ritterfamilie Klencke die Burg Hemersen wieder aufbauen. Der ab dann geführte Name Hämelschenburg entstand aus Dialektveränderungen des ursprünglichen Namens Hemersenburg, der wiederum aus dem Herrmann sin Burg nach Herrmann von Everstein entstanden war. 1544 brannte die gesamte Anlage, einschließlich der tiefer gelegenen Schlosskirche, vollständig nieder.

Bau des Schlosses
Die wirtschaftliche Blüte zwischen 1520 und 1620 brachte dem Weserbergland eine rege Bautätigkeit. Beiderseits der Weser wurden vom Adel und den Landesherren viele Schlösser neu erbaut oder alte wesentlich umgestaltet. Der Wesersandstein (gelb und gut zu behauen von rechts der Weser, rot und deutlich härter von links der Weser) war ein begehrter Baustoff für Fassaden, Fußböden und Dacheindeckungen in ganz Nordwest- und Nordeuropa. 1588 ließen Jürgen Klencke (1551–1609; gedient am Grafenhof zu Nienburg/Weser und als Söldner zum Rittmeister empor gestiegen) und seine Frau Anna von Holle, hochgebildete Nichte des Lübecker Bischofs Eberhard von Holle aus Verden und des Oberst Georg von Holle, die Hämelschenburg als Wasserschloss im Stil der Weserrenaissance an neuem Standort unmittelbar am Flusslauf der Emmer neu erbauen. Die Mittel hierzu kamen einerseits durch die an der das Anwesen querenden Straße erhobenen Zölle und andererseits aus enormen Gewinnen eines regen Kornhandels zusammen.

In dreißigjähriger Bauzeit diente der bereits vom Onkel Jürgen Klenckes, Ludolf Klencke, errichtete umfriedete Wirtschaftshof unmittelbar an der Emmer dem Bauherren und seiner Frau als bescheidene Wohnstatt, bis der Nordflügel der als Dreiflügelbau durchgängig geplanten Anlage fertiggestellt war. Der Mittel- und der Südflügel mitsamt zweier im italienischen Renaissancestil erbauten achteckigen Treppentürme folgten nach und nach. Die Vollendung des Schlosses erlebte Jürgen Klencke nicht, er starb 1609.

Jürgen Klencke und Anna von Holle hatten zusammen 14 Kinder, von denen 12 erwachsen wurden, für die damalige Zeit mit hoher Kindersterblichkeit eine außergewöhnliche Zahl. Der älteste Sohn übernahm das Schloss nach dem Tod seines Vaters und ließ zusammen mit seiner Mutter den Bau fertigstellen.

Allianzen
Im Dreißigjährigen Krieg gelang es Anna von Holle, Schloss Hämelschenburg nebst zugehöriger St. Marienkapelle durch Allianzen zu schützen. Die couragierte Schlossherrin fuhr den anrückenden Truppen unter Tilly entgegen und handelte mit dem General einen Schutzvertrag aus, der es seinen Soldaten unter Androhung der Todesstrafe verbat, Hämelschenburg zu betreten. Sie rettete somit die gesamte Anlage vor Plünderung und Zerstörung.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurde Hämelschenburg zwar besetzt und es verschwanden auch Teile der Inneneinrichtung, aber durch geschicktes Taktieren der Schlossherren konnte Schlimmeres abgewendet werden. So ist der Gesamtkomplex mit seinen vier aufwändig gestalteten Giebeln, 17 Zwerchhäusern, den beiden hohen, kupfergedeckten Treppentürmen, zwei ebenerdigen, doppelgeschossigen Erkern (so genannten Ausluchten), mehreren Portalen und einer prächtigen Zugangsbrücke über den mit Karpfen besetzten Schlossteich bis heute vollständig erhalten.

Zeit des Nationalsozialismus
In der Zeit des Nationalsozialismus stellten sich die Schlossherren ausdrücklich gegen das politische Regime, indem sie sich auf den in ihrer Ritterfamilie belegten Grundsatz der obersten Herrschaft Gottes über die weltlichen Mächte berief. Dieser Grundsatz wurde durch das Aufstellen einer Figurengruppe versinnbildlicht. Über dem Kamin des Speisezimmers im Erdgeschoss des Westflügels knien Jürgen Klencke und seine Frau Anna von Holle mit ihren 14 Kindern (heute 13, eines wurde gestohlen) unter dem Kruzifix. Erstaunlicherweise wurde diese Einstellung von der NSDAP respektiert und auch der angrenzende Ort Hämelschenburg blieb ohne Ortsgruppenleiter. Als einzigen Affront der herrschenden Macht kann man den um 1939 verbreiterten Ausbau der Staatsstraße durch das Schlossensemble deuten, der dazu diente, die Anreise der NS-Anhänger zum Reichserntedankfest auf dem Bückeberg bei Hameln zu erleichtern.

Dementgegen öffnete man die Schlosskirche sonntags ausdrücklich für die in der umliegenden Landwirtschaft verdingten polnischen Fremdarbeiter zum Gottesdienst.

Die Finanzierung des Schlosses gelang in dieser Zeit unter anderem durch zahlende adlige "Feriengäste", denen allerdings durch ein über der Speisetafel aufgehängtes vierseitiges Transparent unmissverständlich politische Äußerungen untersagt waren.

Modernisierung
Natürlich wurde das Schloss Hämelschenburg im 19. und 20. Jahrhundert den Erfordernissen moderner Wohnkultur angepasst. So wurden 1845-1850 der hohe Wall an der West- und Ostseite entfernt und der Graben an der Nordseite zugeschüttet. Die Rotsandstein-Eindeckung wurde bis 1974 durch die leichtere Schieferdeckung ersetzt und zusätzliche Dachgauben wurden eingefügt. Der originäre Verputz wurde abgeschlagen und das Bruchsteinmauerwerk sichtbar gemacht. Die ehemals außenliegende Pilgerhalle wurde nach innen verlegt und schließlich das ganze Schloss mit einer modernen Zentralheizung versehen. Diese Umbauten beeinträchtigen aber nicht das historische Erscheinungsbild.

Mutmaßliche Architekten
Die Architekten des Schlosses sind nicht namentlich beurkundet. Die Vielzahl der Bauhütten und Bauschulen der damaligen Zeit lassen nur eine verallgemeinernde Mutmaßung zu. Fast identische stilistische Einzelheiten des Cord Tönnies, dem nachgewiesenen Baumeister des Hauses Osterstraße 9 in Hameln, der auch an den Schlössern von Detmold und Schwöbber arbeitete sowie am Archivhäuschen von Rinteln, lassen sich an den Fassaden der Hämelschenburg wiedererkennen. Details der Gestaltung der Giebel von Nord- und Westflügel sind identisch mit Werken der Baumeister Eberhard Wilkening und Johann Hundertossen, letzterer aber neuerdings wieder umstritten. Hundertossen gilt als Baumeister der Münchhausen'schen Schlösser Schwedesdorf in Lauenau sowie Bevern; der Bauherr in Bevern, Statius von Münchhausen, war ein Vetter des Jürgen Klencke (die Mütter waren Schwestern), Münchhausens zweite Ehefrau war Jürgens Nichte; Statius stand mit Klenckes nachweislich in engem Austausch über ihre wechselseitigen Bauvorhaben.
Quelle: Wikipedia